„Saubere Kleidung“ ist gefragt

19.04.2013

Knapp hundert Interessierte hatten sich im Ravensburger Modehauses BREDL eingefunden, um inmitten der neuesten Frühjahrskollektion für Damenmode sich von Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero (CIR) über Faire Textilherstellung informieren zu lassen.

Podiumsdiskussionzoom

Die Veranstalter Betriebsseelsorge, KAB, keb, der DGB und die Agenda Eine Welt hatten zudem als Gesprächspartner den Hausherrn, Herrn Gieseke sowie Frau Bauer und Herrn Lorch vom Outdoor-Spezialisten VAUDE eingeladen.

Maik Pflaum schilderte in seinem Vortrag die z.T. unmenschlichen Bedingungen in den Textilfabriken vor allem Lateinamerikas und Südostasiens. Hauptproblem sind die sprichwörtlichen Hüngerlöhne, die in vielen Ländern gezahlt werden und die den Arbeiterinnen keine Chance geben, damit ihre Familien zu ernähren. Dazu kommen oft überlange Arbetiszeiten von 12 Stunden und mehr, kaum Vorkehrungen bzgl. des Arbeitschutzes sowie Unterdrückung der Arbeitsrechte. Viele große Marken haben keine eigenen Fabriken mehr, sondern lassen von verschiedenen Zulieferern herstellen, oft in extrem kurzen Produktions- und Lieferzeiten. Durch ihre Marktmacht können sie verschiedene Länder und Standorte gegeneinander ausspielen. Ebenso wird das Risiko und die Verantwortung für die Produktionsbedingungen auf die Hersteller verlagert.

Die Kampagne „Saubere Kleidung“ der CIR versucht vor allem auf die großen Marken und Hersteller wie Adidas, Puma, C&A, H&M  hin etwas zu bewegen. Anschaulich schilderte Maik Pflaum, wie etwa bei der Herstellung eines Turnschuhs der Lohn der Arbeiterin bei 0,4% des Preises liegt, während für Werbung und Produktentwicklung jedoch zweistellige Prozentwerte ausgegeben werden. Abschließend verwies er auf die Macht und die Möglichkeiten der Verbraucher, auf die verschiedenen, z.T. sehr unterschiedlichen Qualitätssiegel zu achten, wie z.B. das der „Fair Wear Foundation“, einem Zusammenschluss von Wirtschftsverbänden, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen. Dort ist auch der Hersteller VAUDE Mitglied, wie die beiden Mitarbeiter erläuterten; VAUDE konnte so z.B. in China und Vietnam schon erhebliche Verbesserungen für die Arbeiterinnen erreichen. 


Herr Gieseke als Inhaber des Modehauses BREDL  machte deutlich, wie schwierig es für ihn als Einzelhändler sei, bei den diversen Marken im Textilbereich überhaupt in Erfahrung zu bringen, wo und wie diese produzierten. In den entsprechenden Fachverbänden des Handels sei die „Saubere Kleidung“ bisher noch wenig Thema gewesen. Im Übrigen sei er im Vergleich etwa mit den Discountern nur ein „ganz kleines Licht“. In der anschließenden Diskussion gab es aber gerade für ihn viel Ermutigung, dieses „kleine Licht“ leuchten zu lassen und fair produzierte Ware auch in kleinen Schritten in sein Sortiment aufzunehmen. „Ich will in der Stadt in einem Modehaus einkaufen und nicht nur im Internet“, so eine Teilnehmerin.

 

Knapp hundert Interessierte hatten sich im Ravensburger Modehauses BREDL eingefunden, um inmitten der neuesten Frühjahrskollektion für Damenmode sich von Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero (CIR) über Faire Textilherstellung informieren zu lassen. zoom
Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero (CIR) über Faire Textilherstellung zoom
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